Caine 2011 - Inspiration

Ich bin und war immer schon ein Fan von Konzeptalben. Es hat mich fasziniert, wie man mit musikalischen Mitteln eine Geschichte erzählen kann, und wie die Musik dann den Soundtrack zum Film bildet, den die Story im Kopfkino des Hörers projiziert. In den siebziger Jahren waren solche Konzeptalben durchaus akzeptiert und erfolgreich: Mehrere LPs von The Moody Blues wie etwa Days of Future Past, Jethro Tull mit Thick As A Brick und A Passion Play, The Alan Parsons Project mit Tales of Mystery and Imagination, Jeff Waynes mit War Of The World, Rick Wakeman mit Journey To The Centre Of The Earth, The Who mit Tommy, Genesis mit The Lamb Lays Down On Broadway, Pink Floyd mit The Wall und zahlreiche andere schrieben eine beachtliche Erfolgsgeschichte. Doch dann änderte sich der Musikgeschmack der Massen abrupt, Punk als rebellische Gegenbewegung zum "verkopften progressive Rock" und möglichst einfache und tanzbare Songs bestimmten von da an die Charts und die Radiosendungen. Konzeptalben hatten keine Chance mehr beim durchschnittlichen Hörer.

Im Jahr 2002 stieß ich durch Zufall auf das Doppelalbum Snow der relativ unbekannte Band Spock's Beard, ein klassisches Konzeptalbum, das mit den Stilmitteln des progressive Rock, gemischt mit außerordentlich eingängigen Songs und Balladen, die Geschichte eines Außenseiters erzählte, der über übersinnliche Gaben verfügt und als neuer Messias verehrt wird. Ich war begeistert, und lange Zeit war Snow für mich das Überalbum. Noch heute zählt es für mich zu den Allzeit-Top 10. Es war meine erste Inspirationsquelle für mein eigenes Konzeptalbum.

Die zweite war meine Suche nach einer spirituellen Grundlage, die mir Halt und Ziel im Leben geben sollte. Mit den monotheistischen Religionen hatte und habe ich meine Probleme: sie sind mir zu dogmatisch und halten an einem für mich nicht akzeptablen Gottesbild des ins Menschenleben und Weltgeschehen eingreifenden Überwesens mit menschlichen Eigenschaften und rätselhaften Plänen fest. Beim Buddhismus, der nicht an einen Gott glaubt, fehlte mir aber gerade diese Bezugsgröße. Damals las ich ein Buch des Benediktiner Mönchs und Zen-Meisters Willigis Jäger, der eine konfessionsübergreifende und -unabhängige, zeitgenössische Spiritualität vertritt, und der die Mystik mit ihren Methoden (seien es christliche Kontemplation, buddhistische Meditation, die meditative Kabbala des jüdischen Glaubens, Yoga im Hinduismus oder die Derwischtänze der islamisch geprägten Sufis) als Weg zu Gott und/oder Erkenntnis gegen Dogmatismus der Konfessionen stellt. Jäger versöhnt auch die modernen Wissenschaften mit dem Glauben. Für ihn sind sie nicht nur vereinbar, ja, er findet sogar Argumente in der modernen Physik für die Existenz einer alles verbindenden Wesenheit, die allerdings nichts zu tun hat mit dem vermenschlichten Gottesbild des Christen- und Judentums oder des Islam.

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